Seit der Mensch die Zeit zähmte

Seit 500 Jahren gelingt es den großartigen Spezialisten des messen – exakt, ortsungebunden und eigentlich bis in alle Ewigkeit. Mit dem Musée Patek Philippe in Genf existiert ein Ort, in dem diese Geschichte präsentiert wird. 2021 feierte das Museum sein zwanzigjähriges Bestehen.

Drei Stockwerke umfasst die Sammlung, nahezu 2.000 Uhren, Automaten und Miniaturporträts vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart sind zusammengekommen, ergänzt durch eine Bibliothek mit mehr als 8.000 Werken, die ganz der Uhrmacherkunst gewidmet ist.

Gleich am Anfang der Ausstellung sieht der geneigte Besucher sich in eine andere Welt versetzt: In original ausgestatteten Uhrmacherwerkstätten ist die Geschichte des Handwerks unmittelbar erlebbar. Allerdings sind die Werkstätten nicht bloße Ausstellungsstücke, sondern hier arbeiten heutige Uhrmachermeister an der Restauration wertvoller Patek Philippe Uhren.

Eins wird deutlich in diesem Gebäude, das während seiner Geschichte nahezu ausschließlich Firmen der Uhrmacherbranche beherbergte, die hohen Fenster und lichtdurchfluteten Räume zeugen davon. In diesem Tempel der Zeitmessung wird spürbar, dass die Kategorie Zeit für den Menschen eigentlich nicht recht erfassbar ist, dass sie uns gleichwohl ständig umgibt, unser Erleben ordnet, den Geist herausfordert. Die Bemühungen, die Zeit greifbar, messbar, spürbar zu machen, haben jedoch unendlich faszinierende Exponate des Uhrmacherhandwerks hervorgebracht, die sich in der Rue des Vieux-Grenadiers 7 in Genf versammeln.

Es ist der Weitsicht eines Philippe Stern, Ehrenpräsident der Manufaktur, zu verdanken, dass das Museum 2001 erstmals seine Pforten öffnete. Der langjährige Präsident der berühmten Uhrenmanufaktur und Sprössling der Inhaberfamilie Stern, die seit 1932 die Geschicke von Patek Philippe bestimmt, ist ein großartiger Kenner der Haute Horlogerie und leidenschaftlicher Sammler mechanischer Uhren. Sein langjähriger Wunsch, dieser Sammlung eine Heimat zu geben und sie so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ging mit der Eröffnung des Museums in Erfüllung. Zugleich verkörpert das Museum eine wesentliche Überzeugung der Manufaktur, nämlich dass Uhren der Haute Horlogerie keine bloßen Gebrauchsgegenstände, sondern Kunstwerke sind.

Wer die Exponate in den Vitrinen betrachtet, wird dem nicht widersprechen. Im zweiten Stock befindet sich die Sammlung antiker Zeitmesser, eine umfassende Präsentation von Genfer, Schweizer und europäischen Uhren und Emailarbeiten aus dem 16. bis frühen 19. Jahrhundert. Insgesamt zeigen rund 700 Exponate die Entwicklung der Uhrmacherkunst seit ihren Anfängen. Der zweite Teil der Ausstellung im ersten Stock beherbergt die Uhren von Patek Philippe von 1839 bis heute. Hier zu Beginn Taschenuhren, doch schon im beginnenden 20. Jahrhundert präsentiert Patek Philippe seine ersten Armbanduhren. 1922 lanciert Patek Philippe den ersten Rattrapante-Chronographen für das Handgelenk. 1925 folgt der erste Ewige Kalender des Hauses für das Handgelenk, in den 1930er-Jahren erscheinen die ersten Weltzeituhren. Und so geht es Schlag auf Schlag.

Eine ganze Abteilung ist der Calatrava gewidmet, es gibt die Abteilung für technische Uhren, die berühmten Kunsthandwerkuhren sind ebenso zu bewundern. Gegen Ende des Rundgangs wartet ein Kabinett mit Sondermodellen, unter anderem ist hier das Kaliber 89 zu betrachten – es gilt als das komplizierteste Uhrwerk der Welt mit zahllosen Komplikationen und astro-nomischen Funktionen wie Sternenkarte und Ewigem Kalender.

In diesem außergewöhnlichen Museum zeigen sich dem Besucher Meilensteine der Unternehmensgeschichte, gleichzeitig wird man Zeuge der Entwicklung des Uhrmacherhandwerks
im Allgemeinen. Dieses Museum ist keine bloße Sammlung von Exponaten, sondern ein wahrer „Tempel der Uhrmacherkunst“, der seit seiner Eröffnung 2001 selbst Geschichte schreibt.

Philippe Stern
Ehrenpräsident

Als die Uhrmacherwelt Kopfstand, kam die Royal Oak

Die Royal Oak, die als erste Luxus-Sportuhr gilt, ist im Ursprung das Ergebnis einer tief verwurzelten Liebe zur mechanischen Uhrmacherkunst. 2022 feiert diese Ikone der Uhrmacherkunst fünfzigsten Geburtstag. Und ist damit auch ein Symbol dafür, wie lohnenswert es sein kann, einer Krise mit Beharrlichkeit und Innovationsfreude zu begegnen.

Denn die Royal Oak war die Antwort, die man bei Audemars Piguet 1972 auf die Quarzrevolution gab. Industriell gefertigte Quarzwerke überschwemmten damals den Markt und erschüt-terten die Uhrenbranche, die innerhalb von zwei Jahrzehnten um zwei Drittel schrumpfte und viele Schweizer Uhrenhersteller „das Leben kostete“.

Bei Audemars Piguet verließ man sich in diesen turbulenten Zeiten auf die eigenen, starken Wurzeln: mechanische Uhren allerhöchster Qualität zu fertigen, die mit anspruchsvollen Komplikationen und feinster handwerklicher Fertigung die Uhrmacherkunst von Anbeginn mit geprägt hatten.

Es war eine mutige Entscheidung, den damals aufkommenden Quarzwerken eine konsequente Absage zu erteilen. Man investierte stattdessen in Technik und Design, und als die erste Royal Oak 1972 eingeführt wurde, stellte sie tatsächlich eine Revolution dar. Diese Uhr, die in vielerlei Hinsicht als erste Luxus-Sportuhr gilt, zeigte bahnbrechende neue Horizonte in der Uhrmacherei auf.

Die Royal Oak war unter der Prämisse entworfen worden, eine Uhr zu schaffen, die überall und jeden Tag getragen werden sollte, die seinem Träger ein steter Begleiter ist. Bis dato waren Luxusuhren den besonderen Anlässen vorbehalten, mit der Royal Oak huldigte man nun einem neuen, aktiveren Lebensstil. Designer Gérald Genta hatte die Idee, das damals flachste Uhrwerk der Welt durch ein besonders starkes Gehäuse zu
schützen – und man wählte Edelstahl für diese Aufgabe, ein Material, das bis dahin undenkbar war für eine Uhr der Luxusklasse.Schon die erste Royal Oak von 1972 weist die typischen Merkmale dieser Kollektion auf. Mit einem 39-mm-Edelstahlgehäuse, der achteckigen Lünette mit sechseckigen Schrauben, einem integrierten Edelstahlarmband mit sich verjüngenden Gliedern und ihrem Tapisserie- Zifferblatt setzte sie sich über
die gängigen Normen des damaligen Uhrendesigns hinweg. Auch die Veredelung von Gehäuse und Armband mit ihren abwechselnd polierten und satinierten Oberflächen prägt den Charakter der Royal Oak Modelle bis heute. Mit diesem völlig neuen Uhrendesign gelang es Audemars Piguet, aus Edelstahl ein so nobles Material wie Gold zu machen.

Seit ihrer Einführung 1972 zeigt sich die Royal Oak immer wieder von einer neuen Seite, Technik und Ästhetik befinden sich in inspirierendem Wettstreit – bis heute. Platin, Titan, Keramik und auch Gold fanden Verwendung, immer neue Modelle in unterschiedlichen Größen und Ausführungen wurden lanciert. Zahlreiche Komplikationen wie Chronographen, Ewiger Kalender oder „Grande Complication“ machten die unterschiedlichen Modelle zu technischen Meisterwerken und schufen einen durch und durch maskulinen Uhrentyp. Trotzdem wagte sich Jacqueline Dimier im Jahr 1976 an den Entwurf einer Royal Oak für Damen. Dimier hatte 1975 die Leitung des Produktdesigns bei AP übernommen und es gelang ihr, diese „männlichste aller Uhren“ in die Welt der Damenuhr zu transformieren: Weniger Gewicht, zartere Linienführung, aber eben unverkennbar eine Royal Oak. Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung dieses Uhrenmodells war 1993 die erste Royal Oak Offshore, die mit ihrem Durchmesser von 42 mm und ihrem markanten Auftritt den Grundstein für Armbanduhren im Großformat legte. „Das Biest“, so ihr Spitzname, faszinierte insbesondere jüngere Uhrenliebhaber und wurde zum perfekten Accessoire für einen abenteuerlichen Lebensstil. Drei Jahre später erschien die Offshore-Version für Damen. Die Kombination von Spitzentechnologie und traditionellem Savoir-faire ebnete dann 2002 den Weg für die Royal Oak Concept. Durch ihr Gehäuse aus Alacrite, ihre Lünette aus Titan und ihr sichtbares Uhrwerk bestach das Modell durch seine Innovationskraft.

2012, zum vierzigsten Jubiläum des legendären Uhrenmodells, war es die florentinische Schmuckdesignerin Carolina Bucci, die die aufregende Herausforderung annahm, eine Neuinterpretation der Royal Oak für Damen zu entwickeln. Sie setzte auf die Florentiner Technik des Hammerschlagverfahrens, das Bucci auch für ihre Schmuckkollektionen verwendet. Der Effekt dieses Verfahrens: Die Uhr glitzert, als wäre sie mit Diamantsplittern übersät. Die Royal Oak Frosted Gold wurde eine würdige Nachfolgerin des ursprünglichen Entwurfs. Dass Carolina Bucci eigentlich in der Welt des Schmucks zu Hause ist, ist unverkennbar, und auch Oeding-Erdel hat die Entwürfe der vielseitigen Designerin zum Teil der Kollektion gemacht.

Auch die 2015 eingeführte Royal Oak Concept Laptimer ist ein Meilenstein in der Geschichte der Royal Oak, wieder einmal wird die Grenze des Machbaren verschoben: Mit dieser Uhr lassen sich aufeinander folgende Rundenzeiten messen, ohne am Ende jeder Runde die Stoppuhr neu starten zu müssen.

In 2021 war es die Royal Oak Offshore, mit der Audemars Piguet die Geschichte dieses Uhrenmodells fortschrieb: Neben neuen Modellen mit extraflachem Uhrwerk lancierte man ein Modell mit einem neuen Durchmesser von 43 mm, ausgestattet mit einem Flyback-Chronographen der neuesten Generation.

Die fünfzigjährige Geschichte dieser Uhr zeigt wie kaum eine andere, wie sehr Audemars Piguet von Form- und Designexperimenten geprägt ist. Die ständige Suche im Grenzbereich ist wohl der bedeutsamste Grund für den Erfolg der Royal Oak und der gesamten Marke.

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